Abends in Wien, nach einem Tag in Starnberg, 8. Jänner 2010
Liebe Silke, liebes Nettchen, liebes Dorli
inzwischen bin ich schon eine Dreiviertelstunde in Wien und genieße
mein Bierchen. Fahrt war kein Problem.
Ich möchte mich bei euch ganz herzlich bedanken, dass ihr mich
eingeladen habt, dass ich dabei sein durfte, dass ihr den ganzen Tag
so liebevoll gestaltet habt. Es waren auch so viele ganz besonders
nette Menschen da, was ja auch wieder so sehr für die Memme spricht.
Ich bin ganz beglückt nach Hause gefahren, ganz friedlich.
Im Gespräch mit Maike bin ich drauf gekommen, dass die Memme für
meine Mutter in den frühen Jahren ihrer Ehe eine ganz wichtige
Anlaufstation gewesen sein muss, nicht nur weil der Hatto wieder mal
ohne Geld da zu lassen auf Tournee gefahren oder geflogen ist,
sondern weil die Memme sicher ganz maßgeblich dem Knöpfli zu ihrem
Selbstbewusstsein und zu ihrer Unabhängigkeit verholfen hat, weil sie
gut zuhören konnte, weil sie, wie wir heute auch gehört haben, so
unkonventionell war, dass jeder er selbst sein konnte. Ich war auch
stellvertretend für's Knöpfli da und so stolz wie schon lange nicht
mehr, dass mich so viele Leute als ihre Tochter erkannt haben. Die
Memme war wirklich eine ganz besondere Frau! (das Knöpfli auch :-)
Ich hätte viele Erlebnisse mit der Memme zu erzählen gehabt, wie die
Geschichte mit meinem Fahrradlicht, welches eines Tages nicht mehr
funktionierte, worauf Memme sagte, warte mal ich glaube da hab ich
was, im Keller verschwand und mit einem durchaus passenden
Glühbirnchen wiederkam. Am kommenden Abend auf dem Weg durch den
dunklen Wald war nur das regelmäßig stotternde Licht etwas
irritierend... wie sich herausstellte, war es eine Glühbirne, die für
Warnleuchten entwickelt wurde. Nun ja.
Oder die endlose Geschichte mit dem toten Siebenschläfer, den sie im
nächsten Winter an eine Freundin per Express schicken wollte, weil
das Skelett so ganz war. Daher wurde er eingefroren und in ein
Papiertütchen verpackt - genau gleich wie die herrlichen selbst
gemachten Frühlingsrollen! Ich musste beim auftauen im Backrohr immer
höllisch aufpassen!
Und eine letzte Geschichte möchte ich euch noch schreiben, die Nacht
als wir beide unabhängig voneinander, ich glaube es war "Garp" von
John Irving, lasen. Wir waren so gefesselt, dass wir beide das Buch
in einem durchgelesen haben und uns immer wieder unabgesprochen weil
hungrig oder durstig in der Küche trafen - nein, kannst du auch nicht
schlafen? Kurzer Gedankenaustausch, weiter lesen. Es war herrlich.
Aber was ich euch auch erzählen wollte, dass mir auf meiner Heimfahrt
eingefallen ist, wieviel IHR uns bedeutet habt. Wie aufregend es
immer war zu euch zu kommen und dann mit einer wunderschönen
Schnitzeljagd überrascht zu werden, oder später mit zum Maisinger See
fahren zu dürfen und dort lernen wie man Mooshäuschen baut. noch
später wieder am Maisinger See oder bei euch zu Hause als 13 Jährige
einfach völlig glücklich zu zuhören, dabei sein zu dürfen, mit den
schon soo erwachsenen Braemers! Und das wunderbare war immer, weil
wir das Häuschen Kunterbunt seid unserer Geburt kannten (so war es
doch wohl) war jedes Geräusch, jeder Geruch so vertraut, dass ich
mich kaum mehr zu Hause fühlen konnte. Wie schön, dass ich dieses
Gefühl noch mal drei Jahre bei Memme genießen durfte.
Worüber ich mir selber bös bin, ist dass ich nicht genug Kontakt
gehalten habe, dass ich Memme in den letzten Jahren nicht besucht
habe, nicht mehr gesprochen habe. Das kann ich nicht mehr gutmachen,
ich hoffe die Memme hat es mir nicht übel genommen. Es gab keine
Grund, außer dass mein Leben so viel Kraft gefordert hat, dass
insgesamt nicht viel Platz für anderes war, um gleichzeitig auch
weiter zu kommen. Ich bin umso froher euch alle wieder gesehen zu
haben und werde auf alle Fälle darauf achten, auch zu Besuch zu
kommen, wenn ich in der Nähe bin. Oder eine Reise zu planen - zum
Beispiel nach / in Amerika. Vielleicht mit dem Poppel. Berlin oder
Ronco, das wird sich schon ausgehen - diese Wege werden so gelegt
werden. Und bitte fühlt euch immer in Wien willkommen! Ich habe zwar
keine Gästezimmer, aber koch furchtbar gerne (ich vermute genetisch
bedingt) und gut (auch das), kann als Führerin fungieren,
Empfehlungen abgeben, was immer!
Ich umarme euch herzlich und wünsche euch viel Kraft und ganz viel
Geduld miteinander, wenn ihr euch jetzt der schwierigen wie
schmerzlichen Aufgabe des Aufräumens macht.
Ich bin in Gedanken bei euch und schicke ganz viel Liebe und
Herzenswärme
euer Minni eure Tulga=